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Disease Management Programm (DMP)

Disease Management Programm ist nicht einheitlich definiert

Das ursprünglich aus den USA stammende und an bundesdeutsche Krankenversicherungsstrukturen angepasste Disease Management Programm gehört zum Spektrum diverser relativ neuartiger Konzepte des inländischen Gesundheitswesens. Als ein Baustein der unter dem Oberbegriff „Integrierte Versorgung“ oder „Fall-Management“ im Gesundheitswesen zusammengefassten ganzheitlichen Patientenbetreuung geht es beim Disease Management Programm speziell um chronisch erkrankte Patienten.

Das maßgebliche Bundesversicherungsamt (BVA) definiert das hier beschriebene Langzeitbetreuungskonzept, für welches es in diesem speziellen Fall keine einheitliche Definition gibt, folgendermaßen: „Disease Management Programme (DMP) sind strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Erkrankte, die vom Bundesversicherungsamt zuzulassen sind. Die Behandlungs- und Betreuungsprozesse von Patienten werden über den gesamten Verlauf einer (chronischen) Krankheit und über die Grenzen der einzelnen Leistungserbringer hinweg koordiniert und auf der Grundlage wissenschaftlich gesicherter aktueller Erkenntnisse (medizinische Evidenz) optimiert.“ [1]

Ein Disease Management Programm hat einerseits Einsparungen bei den Leistungsausgaben der Krankenkassen zum Ziel, obwohl DMP-Entwicklung anfänglich recht zeitaufwendig und kostenintensiv ist. Zum anderen wird bei der Langzeitbetreuung chronisch Kranker beim Disease Management Programm die Einzelfall-abhängige Zusammenarbeit von Haus-, Facharzt, Krankenhaus, Reha-Einrichtungen, Apotheke, Physiotherapeuten (Krankengymnasten), Psychologen, Krankenkasse/Privatkrankenversicherung und Patient zu dessen Wohl angestrebt.

Gegenwärtig können Chroniker mit folgenden Krankheitsbildern an Disease Management Programmen teilnehmen: Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, chronische Herzinsuffizienz, chronisches Lungenleiden, Asthma, Brustkrebs, koronare Herzkrankheit, chronische Herzinsuffizienz.

Disease Management Programme gibt es, als die auf der Basis des Risikostrukturausgleichs vom Bundesversicherungsamt zugelassenen, bei den gesetzlichen Krankenkassen (GKV). Eine zweite Variante beinhaltet freie Disease Management Programme, verfügbar bei Privatkrankenversicherungen (PKV) sowie teilweise bei GKV. Patientenaktivitäten, zu denen auch Schulungen über gesunde Ernährung gehören können, sämtliche Arzt- und außerärztlichen Maßnahmen sowie Datenerhebungen der zum jeweiligen Disease Management Programm gehörenden Anforderungen werden im Dokumentationsbogen erfasst.

[1] BVA. Zulassung der Disease Management Programme (DMP) durch das Bundesversicherungsamt (BVA). Im Internet. URL: http://www.bundesversicherungsamt.de/nn_1046154/DE/DMP/dmp__inhalt.html (Stand 30.08.2011)

Dokumenten-Management-System

Dokumenten-Management-Systeme erledigen die Schriftstücke-Verwaltung

Im Prinzip stellt jeder in einem Rechnernetz arbeitende Dateiserver bereits ein vereinfachtes Dokumenten-Management-System dar, welches hier jedoch versierten Computerexperten eher als Dateisystem bekannt ist. Diese anschauliche Ablageorganisation auf einem Datenträger des Computers, weitgehend Bestandteil des Betriebssystems, beinhaltet grundlegende Eigenschaften, die auch in einem Dokumenten-Management-System vorzufinden sind. Allerdings verfügt selbiges über weit mehr Informationsfelder, die verschiedene Systemkategorien und deren Zusammenspiel umfassen. Beim Dokumenten-Management-System kommen beispielsweise Bürokommunikation, Verwaltung von Arbeitsabläufen, Metadatenverwaltung, Groupware, visualisierte Ordnungsstrukturen für Index-gestützte Dokumentensuche mittels mehrdimensionaler Klassifizierung durch Deskriptoren (Schlagwörter), automatischer Dokumentenverteiler, elektronische Archivierung infrage.

Mittels Dokumenten-Management-System haben mehrere Benutzer gleichzeitig direkten Zugriff auf ein Dokument, die Zugriffsberechtigungen werden geprüft und verwaltet. Herkömmliche Schriftstücke in Papierform, auch Eingangspost oder Akten, können durch Scannen digitalisiert und so dem Dokumenten-Management-System zugeführt werden. Solcherart Verwaltungsaufwand betreiben vorrangig Unternehmen mit großen Datenbeständen, Behörden, bedeutende Bibliotheken, Forschungsinstitute, Versicherungen, Konzerne, etc.

Charakteristisch für ein Dokumenten-Management-System ist das Verfügen über beliebige Felder für Metadaten im jeweiligen Datensatz eines digitalisierten Schriftstücks. Beispiele: Versionsverwaltung, Benutzer-Kennung, Aufbewahrungsfristen, revisionssichere Dokumentenvernichtung. Innerhalb eines Unternehmens werden digitalisierte Schriftstücke bedarfsweise elektronisch signiert, regelbasiert weitergeleitet, archiviert, einschließlich E-Mail-Archivierung, und können jederzeit von mehreren Zugriffsberechtigten gleichzeitig genutzt werden. Häufig eingesetzte Speichermedien sind beim Dokumenten-Management-System optische Datenträger.

Darlehenshypothek

Darlehenshypothek versus Grundschuld

Obwohl eine Darlehenshypothek für Grundstückseigentümer mit Risiken und weitreichenden Folgen verbunden sein kann, wird sie zur Finanzierung des Erwerbs, Baus oder notwendiger Modernisierungsmaßnahmen von Immobilien genutzt. Das geschieht in der Weise, dass eine Belastung des Grundstücks zugunsten des Gläubigers (Begünstigter der Darlehenshypothek) erfolgt. Bei Nichterfüllung der gesicherten Forderung kann der Gläubiger durch Zwangsvollstreckung der Immobilie den Erlös zur Kreditrückzahlung verwenden. Sicherungsnehmer bei Darlehenshypotheken sind überwiegend Kreditinstitute, Bausparkassen, Lebensversicherungsgesellschaften. Die Darlehenshypothek gehört im juristischen Sinne zum Grundpfandrecht, was dringliche Verwertungsrechte an Grundstücken sowie grundstücksgleichen Rechten (Wohnungseigentum, Teileigentum) meint.

Bundesdeutsche Rechtsgrundlagen für die Hypothek sind im BGB §§ 1113 ff geregelt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Finanzkrise seit 2007 trat im August 2008 das Risikobegrenzungsgesetz in Kraft, welches auch eine Neuregelung des § 1157 BGB beinhaltet.

Eine Darlehenshypothek ist eine sogenannte akzessorische Kreditsicherheit. Es bedeutet zum einen, dass die Darlehenshypothek immer eine Kreditforderung voraussetzt. Andererseits drückt Akzessorietät aus, dass gemeinsam mit der besicherten Immobilie im Verwertungsfall auch die Forderung übertragen werden muss. Bei einer Darlehenshypothek haftet der Schuldner nicht mit seinem gesamten Privatvermögen, sondern mit dem Erlös, der sich aus einer gegebenenfalls erforderlichen Zwangsvollstreckung des Grundstücks/der Immobilie erzielen lässt.

Zu den Nachteilen der Darlehenshypothek gehören unpraktikable Durchführungsbestimmungen bei späteren Verkaufsabsichten der Immobilie sowie zusätzliche Kosten (Verwaltungsgebühren für Grundbucheintrag, Notariatskosten, etc.).

Anstelle einer Darlehenshypothek überwiegt heute die zur Kreditsicherheit verwendete Grundschuld. Nach bundesdeutschem Sachenrecht ebenfalls als dringliches Recht definiert, wonach aus einem Grundstück (oder grundstücksgleichem Recht) die Zahlung eines festgelegten Geldbetrags gefordert werden kann. Allerdings setzt die Grundschuld im Gegensatz zur Darlehenshypothek nicht den Bestand einer Kreditforderung voraus.

Debt-Equity-Swap (DES)

Debt-Equity-Swap: Sanierungsart für angeschlagene Kapitalgesellschaften

DES ist ein Begriff aus den Bereichen Finanzmarktgeschäft, Bankwesen, der Gebiete des Unternehmens- sowie Gesellschaftsrechts tangiert und für den keine einheitliche Definition existiert. Geht es um Swaps, handelt es sich immer um einen Tausch vertraglich vereinbarter Zahlungsströme. Equity-Swap heißt auf Deutsch Kapitaltausch und debt steht für Verbindlichkeit, Schuldtitel, Geldschuld.

Ein Debt-Equity-Swap kommt für Kapitalgesellschaften infrage, die mit der Konsequenz in einer Finanzkrise stecken, dass Gläubigerforderungen nicht mehr hinreichend bedient werden können. In solch unternehmerischer Krisensituation ist der DES eine mögliche Sanierungsart, die folgende Vorgehensweise hat: Das Kreditinstitut als Gläubiger verkauft die Forderung mit einem Abschlag an einen interessierten Investor. Dieser erhält im Gegenzug zur mittels Debt-Equity-Swap nunmehr erloschenen Forderung eine entsprechende Unternehmensbeteiligung. Wie im Beispiel sind beim DES Gläubiger der Forderung und Erwerber der Unternehmensbeteiligung häufig nicht personengleich.

Für eine Kapitalgesellschaft mit geringer Bonität kann sich hinter einem Debt-Equity-Swap auch die Gefahr einer „feindlichen Übernahme“ verbergen, welche jedoch gegen den Willen der Gesellschafter, zumindest in Deutschland und auf diesem Wege, nicht durchsetzbar ist.

Andererseits gelten Debt-Equity-Swaps für krisenbehaftete Unternehmen als schnelle Sanierungshilfe, weil Eigenkapital der Gesellschaft erhöht und Verbindlichkeiten verringert werden. Investoren, die beim DES einerseits kostengünstig zum Gesellschafter, andererseits jedoch überwiegend eines insolvenzgefährdeten Unternehmens werden, ziehen nach erfolgreicher Sanierung durch besseres Rating oder etwaigen Anteilsverkauf Nutzen aus dem Debt-Equity-Swap.

Auf internationaler Ebene haben sich bereits funktionierende Sekundärmärkte für diese Art der Firmensanierung etabliert. Als ein Mittel zum Versuch, die internationale Schuldenkrise zu lösen, werden beim Debt-Equity-Swap beispielsweise Entwicklungsländer-Schuldtitel drastisch abgezinst, entsprechende Investoren erwerben Inlandsbeteiligungen. Und angesichts der Tatsache, dass beim Debt-Equity-Swap (DES) ein Schuldtitel zugunsten dieser korrespondierenden Inlandsbeteiligung erlischt, sinkt die Auslandsverschuldung des Entwicklungslandes.

Deferred Tax

Deferred Tax: Teil internationaler Rechnungsstandards

Bedeutende Kapitalgesellschaften und Konzerne sind nach den in der verbindlichen englischen Fassung geltenden International Financial Reporting Standards (IFRS) verpflichtet, die Deferred Tax zu bilanzieren. Sogenannte latente Steuern entstehen aus der unterschiedlichen Zwecksetzung einer Gewinnermittlung. Bilanzierungspflichtige Unternehmen, Kapitalgesellschaften und Konzerne sind daran interessiert und durch Ausnutzung steuerlicher Gestaltungsspielräume auch in der Lage, ein positiveres Unternehmensbild auszuweisen. Die steuerliche Gewinnermittlung hingegen dient unter anderem der Ertragssteuerberechnung.

Mit den Deferred Tax sollen verborgene Steuerlasten oder Steuervorteile, die in der Zukunft zu Unterschieden zwischen steuerlichen und bilanziellen Gewinnen führen, abgebildet werden. Der steuerliche Gestaltungsrahmen für Differenzen zwischen Steuerbilanz und Handelsbilanz ergibt sich hauptsächlich durch großzügigere Rückstellungen, den Abschreibungen bei Anlagegütern (Bewertung von Vermögensgegenständen) sowie der Ausnutzung von landesspezifischen Steuervorteilen.

Deferred Tax treten als aktive latente Steuern (zukünftig erwartete steuerlich höhere Gewinnminderung) und passive latente Steuern (zukünftig erwartete steuerlich höhere Ertragskraft) auf.

Politisch motivierte Steuerverordnungen sowie Bilanzierungsvorschriften unterscheiden sich auf Staatenebene. Die Abgrenzung der Deferred Tax in der Handelsbilanz sind Bestandteil internationaler Bilanzierungsrichtlinien, welche das Ziel der Vergleichbarkeit, aber auch Interpretierbarkeit von Jahresabschlüssen international agierender Unternehmen und Konzerne haben.

Kapitalmarktorientierte Unternehmen, die verpflichtend nach IFRS den Konzernabschluss vornehmen, müssen die aktiven und passiven Deferred Tax separat oder saldiert ausweisen. Dabei werden Deferred Tax berücksichtigt, deren Verrechnung in den folgenden fünf Geschäftsjahren voraussichtlich zu erwarten ist.

Direct Marketing

Modernes Direct Marketing ist vor allem zielgruppenorientiert

Beim Direct Marketing gehen marktgerichtete Aktivitäten (Werbemaßnahmen) der unmittelbaren Kundenkontakte idealerweise zusätzlich mit Response einher. Das bedeutet, im Direct Marketing erhalten Kunden durch die unaufdringlich gestaltete Aufforderung/Gelegenheit eine bequeme Möglichkeit zur Antwort. Responses im Allgemeinen sind Verhaltensreaktionen der Menschen auf Reize, im Direct Marketing werden Werbemaßnahmen durch diese Kundenreaktionen messbar.

Prinzipiell wird aufgrund der verschiedenen Zielgruppen und anzuwendender Methoden zwischen Direkt Marketing für den Consumer– und B2B-Markt unterschieden. Angewendet wird Direct Marketing in nahezu allen Wirtschaftsbereichen und Branchen: Industrie (einschließlich Konsumgüter-, Auto-, Pharma-, Investitionsgüter-Industrie), Handelsbetriebe (Versand-, Online-Handel, stationärer Einzelhandel), Verlagshäuser, Finanzdienstleister, Tourismusbranche. Darüber hinaus nutzen Vereine, Institutionen, Behörden Mittel des Direct Marketings.

Wie in jedem Segment eines Unternehmens hat die Planung von Kampagnen im Direct Marketing besondere Bedeutung. Sie umfasst Budgetplan, Zielsetzung, Strategiebestimmung, Marktanalysen, Kommunikationsablauf, Terminsetzungen, letztendlich die Kontrolle (auch Kostenkontrolle) und weitere Auswertung der erzielten Kundenkontakte sowie Nutzung der Rückläufer-Reaktionen für immer bessere Vorhersagen bei folgenden Werbekampagnen.

Zu den Bereichen des Direct Marketing gehören:

  • Database-Marketing als entscheidende Grundlage für erfolgreiches Direct Marketing (aussagekräftige Kundendatenbank, zielgruppenorientierte Kundenpflege).
  • Dialog-Marketing beinhaltet zielgruppenorientierte, also bedarfsentsprechende Werbebotschaften, zudem auf verschiedene Kundentypen zugeschnitten (von wertvollen Kunden bis „Verzichtskunden“), Neu-, Stammkundengewinnung, Kundenbindung, Altkunden-Reaktivierung.
  • Personifizierte Direktwerbung für wertvolle Kunden durch intensivere und bevorzugte Kundenbetreuung.

Mittel des Direct Marketings sind (Postkarten-)Mailings, E-Cards, Fax-, SMS-Werbebotschaften, Werbebriefe, Flyer, Event-Einladungen, Newsletter, Produktprobenversand, Telefonverkauf, Außendienstmitarbeiter (ADM) sowie im weiteren Sinne auch gezielte Meinungsumfragen.

Callcenter sind als universelles Instrument für Direct Markting etabliert und werden deshalb im Consumer- wie B2B-Markt von Industrie, Handel, Dienstleistern, Institutionen, Behörden gleichermaßen intensiv genutzt. Marktforschung, insbesondere Benefit-Segmentierung, Listbroker (Adress-Dienstleister), Dialogmarketing-Agenturen sind geeignete Hilfsmittel für Direct Marketing; der Deutsche Dialogmarketing Verband (DDV) vertritt allgemeine Brancheninteressen.

Direktbanken

Direktbank: Moderne Alternative zum traditionellen Geldinstitut

Das Bankensystem unterteilt sich im Geschäfts- und Privatkundenbereich faktisch in zwei Kategorien: Den Filial- und Direktbanken. Beide unterliegen denselben Bestimmungen der Bankenaufsicht, die eine Erlaubnis zum Geschäftsbetrieb als Kreditinstitut beziehungsweise Finanzdienstleistungsunternehmen erteilt, zudem Kontrollen der laufenden Geschäftstätigkeit und der Einhaltung bankenaufsichtsrechtlicher Vorschriften vornimmt. Keine Direktbank sind Geldinstitute mit Filialnetz und einem zusätzlichen Geschäftsbereich für Online-Banking.

Großer Vorteil einer Direktbank gegenüber Filialbanken ist deren Bequemlichkeit beim Ausüben sämtlicher Bankgeschäfte von zu Hause aus. Die Kommunikation des Kunden mit seiner Direktbank findet ausschließlich per Internet, Fax, Telefon (Callcenter) oder Postweg statt. Keine Mietkosten für Räumlichkeiten, die eine Filialbank braucht, geringere Personalkosten, insgesamt reduziertere Verwaltungskosten sorgen bei der Direktbank dafür, dass sämtliche Bankgeschäfte für Privat- wie Geschäftskunden günstiger angeboten werden können. Gerade diese Kostenersparnis führte in den letzten Jahren beispielsweise in Deutschland dazu, dass fast zehn Millionen Bürger Kunden einer der zahlreich vorhandenen Direktbanken sind. Zweiter entscheidender Grund für eine derart erfolgreiche Etablierung ist die Unabhängigkeit von den kundenunfreundlichen Öffnungszeiten bei fast allen Filialbanken.

Um wie Girokontokunden eines traditionellen Geldinstituts gebührenfrei an Bargeld zu gelangen, schlossen Direktbanken Verbundgemeinschaften (CashPool, Cash Group), bei denen Bankkunden an Geldautomaten der angeschlossenen Kreditinstitute kostenlos ihr benötigtes Bargeld abheben können. Ansonsten bietet fast jede Direktbank eine allumfassende Produktpalette, zu der üblicherweise Girokonten, Kreditkarten, Geldanlagen (Tages-, Festgeld, Spareinlagen), Ratenkredite, Finanzierungen, Wertpapier-, Devisenhandel gehören.

Zum Finanzvertrieb ihrer Produkte bedienen sich Direktbanken häufig nicht des Direktvertriebs, sondern nutzen unabhängige Finanzdienstleister/Finanzvermittler, die überwiegend dem sogenannten Strukturvertrieb angehören, Beispiel: AWD Holding.

Spezialformen wie die UmweltBank oder der Sparkassen Broker (Börsengeschäft) haben sich ebenso etabliert. Konten bei Direktbanken werden sicher und schnell mittels PostIdent-Verfahren eröffnet. DKB, comdirect, Netbank, ING-DiBa, 1822direkt, DAB bank sind Beispiele für Tochterunternehmen großer Finanzkonzerne, welche als reine Direktbanken fungieren.

Devisencharts

Devisencharts stellen wiederkehrende Muster im Kursverlauf dar

Der Ausdruck Devisencharts wird als Oberbegriff für eine Vielzahl einzelner Chartmuster/Chartformationen verwendet. Deren Zweck besteht darin, ausgehend von Kursdaten aus der Vergangenheit eine Vorhersage zukünftiger Börsenkurse anzustreben. Die im umgangssprachlichen Ausdruck Devisencharts genannte Charttechnik beziehungsweise Chartanalyse findet nicht nur innerhalb des Devisenhandels, sondern auch bei weiteren Finanzinstrumenten wie beispielsweise Aktien und Futures Anwendung. In einer Finanzanalyse für Wertpapiere, Derivate, Devisen etc. wird eine sichtbare Kursentwicklung als Chart bezeichnet. Auf der Grundlage dieser (vergangenen) sichtbaren Kursentwicklungen entstehen Devisencharts nach unterschiedlichen Modellen (Mustern). Allen Charttechniken ist gemein, dass sie auf in der Vergangenheit oft wiederkehrenden Mustern des Kursverlaufs beruhen. Dass Devisencharts tatsächlich eine aussagekräftige Prognosefähigkeit für zukünftige Kursverläufe haben, ist in Fachkreisen stark umstritten und wissenschaftlich nicht bewiesen. Trader, Broker, weitere Markteilnehmer, Anlegermagazine, gute Börsenbücher weisen in diesem Zusammenhang einerseits auf mehr oder weniger große Wahrscheinlichkeiten fürs Eintreffen der erhofften Kursentwicklung hin. Andererseits wird in Bezug auf Devisencharts das Phänomen der selbsterfüllenden Prophezeiung erwähnt, wonach der Glaube an eine professionelle Chartanalyse sowie bestimmte Preislevel Online-Händler oder private Spekulanten zum Kaufen und Verkaufen von Devisen anregen.

Devisenkurse ergeben sich, unabhängig vom volkswirtschaftlich-politisch motivierten Einfluss der Zentralbanken betrachtet, aus Nachfrage der Käufer und Angebote der Verkäufer. Aufgrund dieses häufig unvorhersehbaren Verhaltens der Marktteilnehmer sind die Kurse in hohem Maße unstetig. Devisencharts sollen objektivere Handelsentscheidungen erleichtern, erfahrene Handelsteilnehmer wählen mehrere Charts gleichzeitig.

Chartformationen entstehen durch jeweils hinzugefügte Merkmale/Indikatoren, aus denen sich verschiedene wiederkehrende Muster für Devisencharts (Charttechnik/Chartanalyse) bilden. Devisencharts basieren auf Trends, Durchschnitten, Ein-Tages-Formationen (Gaps, Spikes, Umkehrtage, etc.) sowie Trendfolge-Indikatoren, beispielsweise dem GD (gleitender Durchschnitt). Beim Handel mit Währungen können Devisencharts Strategie und Taktik bestimmen, der Value at Risk das Risikomaß (Risikomanagement).

Devisenmarkt

Devisenmarkt: Elektronische Handelssysteme und Telefonhandel

Anders als beispielsweise Londoner oder New Yorker Börse hat der Devisenmarkt keinen geografischen Sitz. Devisenbörsen gibt es außer als Geschäftsbereich innerhalb der Effektenbörsen nicht mehr. Hierzulande stellte bis 31.12.1998 die Frankfurter Börse, unter Mitwirkung der Bundesbank, den börsentägliche Devisenkurs fest. Am europäischen Devisenmarkt gibt es Angaben zu Wechselkursen seit der Euro-Einführung nur noch als Referenzwerte (EuroFX), die von der EZB festgestellt und von Reuters veröffentlicht werden. Sie dienen jedoch weitestgehend Informationszwecken, zum Beispiel bei Kreditkartenabrechnungen nach Auslandsaufenthalten oder für Statistiken.

Kennzeichnend für den Devisenmarkt ist der Handel mit auf fremde Währung lautenden ausländischen Zahlungsmitteln, das heißt, Kauf und Verkauf von Devisen gegen eigene oder gegen eine Fremdwährung. Wichtig: Ausländische Banknoten und Münzen sind nicht zwangsläufig gleich Devisen, obwohl umgangssprachlich oftmals so bezeichnet (Beispiel: Reisedevisen). Auf dem Devisenmarkt wird, vereinfacht ausgedrückt, inländisches Geld in ausländisches (und umgekehrt) zu einem ausgehandelten Devisenkurs (Wechselkurs) getauscht.

Den größten Teil des Devisenmarkts nimmt der Interbankenhandel (Welthandel zwischen Kreditinstituten sowie das Kundengeschäft) ein. Marktteilnehmer sind darüber hinaus private Trader, Devisenmakler, Broker, Handelshäuser, Direktbanken, aber auch große Industrieunternehmen, Geld- und Kreditinstitute im Privatkundenbereich (Geldanlage auf Währungskonto/Devisenkonto).

Der Devisenmarkt repräsentiert sich gegenwärtig fast ausschließlich durch den elektronischen Devisenhandel (elektronische Handelssysteme) sowie Telefonhandel. Das Handelsobjekt Devisen wird dabei oft innerhalb von Sekunden in zig-Millionenbeträgen zwischen den Geldinstituten gehandelt. Einflussreiche Akteure auf dem Devisenmarkt sind Zentralbanken, in Europa allen voran die EZB. Das US-amerikanische Zentralbanken-System heiß Federal Reserve System, Kurzbezeichnung FED. Mitbestimmende Hauptakteure des Devisenmarkts sind Zentralbanken aufgrund möglicher Devisenmarktinterventionen, die meist (wirtschafts-)politische Gründe haben.

Devisengeschäfte können Devisenkassa-, Devisentermin-, Devisenoptions- oder Devisen-Swap-Geschäfte sein. Rangfolge meistgehandelter Währungen: USD (US-Dollar), EUR (Euro), JPY (japanischer Yen), GBP (britisches Pfund); bei Währungspaaren sind es am Devisenmarkt: EUR/USD, USD/JPY, GBP/USD.

Discount Broker

Discount Broker nur für versierte Börsianer empfehlenswert

Wie alle Wertpapierhändler bieten auch Discount Broker die Möglichkeit des Handels mit Aktien, Fonds, Optionsscheinen und weiteren Finanzprodukten an. Dabei bestehen Kontakte der Discount Broker zu ihren potenziellen Kunden hauptsächlich per Computer übers Internet sowie per Telefon und Fax.

Das Leistungsspektrum weicht ebenfalls kaum von dem anderer Wertpapiervermittler ab: Fondsdepots führen, Wertpapierbestände verwalten, Wertpapierorders abwickeln, bedarfsweise Daytrading oder auch langfristige Spekulationen können zum Portfolio (Produktspektrum) eines Discount Brokers gehören. Der entscheidende Unterschied zum generell auf fremde Rechnung arbeitenden, professionellen Wertpapierhändler: Discount Broker bieten, außerhalb des pflichtgemäßen Rahmens börsenrechtlicher Vorschriften, insbesondere riskante Anlagen betreffend, kaum Informationen, keine Anlageberatung inklusive Anlagestrategien und auch sonst keine Serviceleistungen wie zum Beispiel Chartanalysen, Einstiegsempfehlungen oder Risikomanagement. Aus diesen relevanten Gründen empfehlen sich Discount Broker nur versierten Börsianern, die bereits über genügend Erfahrungen im Handel mit Wertpapieren und weiteren Anlageklassen (Aktien, Immobilien, Fonds, Devisen, etc.) haben.

Als Discount Broker bezeichnen sich gemeinhin nicht allein Einzelpersonen, welche diesen Beruf ausüben, sondern auch am Markt befindliche Finanzunternehmen wie Direktbanken und Online-Depots. Um als Discount Broker im Effektengeschäft zu bestehen, sollten dessen Konditionen unter den marktüblichen liegen. Es betrifft unter anderem Vermittlungs- und einige Verwaltungsgebühren, Rabatte auf den Ausgabeaufschlag sowie Transaktionskosten. Aufgrund der nicht vorhandenen Anlageberatung und daraus resultierenden günstigeren Konditionen weisen die unterschiedlichen Finanzprodukte beim Discount Broker einen vergleichsweise hohen Standardisierungsgrad auf.